Papst Franziskus nennt Schwule „Brüder“


Ganz neue Töne aus dem Vatikan: Papst Franziskus schlägt erfreulich moderatere Töne gegenüber Homosexuellen an! Für mich als schwulen Katholiken, der versucht, „seine“ Kirche mit seinem Leben zu verbinden, ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Nein, es ist dadurch nicht alles gut: nur weil der Papst die Schwulen „unsere Brüder“ nennt, akzeptiert die katholische Kirche nicht plötzlich die schwule Community. Und sicher werden auch in den nächsten Monate und Jahre in diesem Bereich keine Berge versetzt.
Dennoch: die katholische Kirche, die sich immer wieder in ihren eigenen Gesetzen und Regeln verheddert, die nicht selten zwischen Anspruch und Realität einen Spagat wagen muss, sie ist nicht ganz verloren. Mir machen diese moderaten Töne Mut, weiter als Katholik – wenn auch nicht als strenger – leben zu können.

Manche werden sagen, die Kirche MUSSTE ja reagieren, damit ihr nicht alle Schäfchen abhanden kommen. Ich denke aber: die katholische Kirche MUSSTE noch nie was. Eher schrupft ihnen die Gemeinde auf eine Handvoll Gläube zusammen, als daß sie einlenkt, wenn sie nicht will. Sie lenkt z.B. nach wie vor nicht ein bei der Rolle der Frau oder beim Zölibat. Dennoch hatte man lange das Gefühl, daß Schwule und Lesben beim Vatikan moralisch noch weiter unterhalb von Kinderschändern kommen. Es schien manchem sündiger, wenn er schwul ist, als daß er einen Menschen aus Habgier ermordet.

Dieser Eindruck ist nicht ganz weg, aber zumindest besteht Hoffnung, daß sich durch Papst Franziskus‘ Worte nun doch noch etwas tun und die Kirche deutlich entspannter mit Homosexuellen umgehen wird. Das ist für alle Nicht-Gläubigen und Nicht-Katholiken vielleicht egal, für mich als Katholik ist das dennoch ein Meilenstein.

Ich mag nicht überbewerten, aber seit heute zumindest wieder hoffen.

Kommentar von Hartmut
(Dieser Kommenar muss nicht die Meinung der gesamten Redaktion widerspiegeln)